Der Nachhilfemarkt taucht in Wirtschaftsstatistiken selten auf, und doch ist er beachtlich. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung bezifferte die privaten Ausgaben für Nachhilfe in Deutschland auf knapp 900 Millionen Euro im Jahr, etwa jedes siebte Schulkind nahm bezahlte Unterstützung in Anspruch. Seither haben Schulschließungen, Lehrkräftemangel und schwache Ergebnisse in Leistungsvergleichen die Nachfrage eher gestärkt.
Ein fragmentierter Markt
Anders als viele Dienstleistungsbranchen ist der Nachhilfemarkt stark zersplittert. Neben einigen großen Ketten mit Franchise-Standorten gibt es tausende private Lehrkräfte, Studierende und Schülerinnen und Schüler, die Unterricht anbieten, oft ohne feste Preise oder Verträge. Qualität und Preise schwanken entsprechend. Für Eltern ist der Markt intransparent, für Anbieter schwer skalierbar.
Der digitale Wandel
Die Pandemie hat einen Strukturwandel beschleunigt, der schon vorher begonnen hatte. Unterricht per Video hat sich als gleichwertige Alternative etabliert, und das verändert die Ökonomie des Geschäfts grundlegend. Lernstudios brauchen Räume in guter Lage, deren Mieten in Großstädten erheblich ins Gewicht fallen. Reine Online-Anbieter sparen diese Fixkosten und können Lehrkräfte bundesweit einsetzen. Anbieter wie Nachhilfe Wow verzichten vollständig auf Unterrichtsräume und arbeiten ausschließlich digital.
Regional trotz digital
Paradoxerweise gewinnt gleichzeitig die regionale Ausrichtung an Bedeutung. Schule ist Ländersache, Lehrpläne und Prüfungen unterscheiden sich erheblich. Wer in Hessen auf die Abschlussprüfung vorbereitet, braucht andere Inhalte als jemand, der in Nordrhein-Westfalen auf die ZP10 hinarbeitet. Einige Anbieter betreiben deshalb eigene Angebote für einzelne Städte, etwa für Online-Nachhilfe in Frankfurt. Das ist auch eine Marketingfrage: Eltern suchen lokal, selbst wenn der Unterricht digital stattfindet.
Preisdruck und Transparenz
Mit der Digitalisierung steigt die Vergleichbarkeit. Eltern können Angebote leichter gegenüberstellen, Bewertungen lesen und Probestunden buchen. Das setzt Anbieter mit langen Vertragslaufzeiten und intransparenten Gebühren unter Druck. Wer offen kommuniziert, was Unterricht kostet, wie etwa bei den Nachhilfepreisen in Hagen mit belegten Marktzahlen, gewinnt Vertrauen, ein entscheidender Faktor in einem Markt, in dem Eltern oft unter Zeitdruck entscheiden.
Arbeitsmarkt für Lehrkräfte
Auch auf der Angebotsseite verändert sich einiges. Online-Unterricht öffnet den Markt für Lehramtsstudierende, pensionierte Lehrkräfte und Fachleute, die flexibel von zu Hause arbeiten wollen. Gleichzeitig konkurrieren Nachhilfeanbieter mit Schulen, die angesichts des Lehrkräftemangels selbst händeringend Personal suchen.
Der Nachhilfemarkt ist ein Spiegel des Bildungssystems: Er wächst dort, wo Schule an ihre Grenzen stößt. Dass er sich zunehmend ins Netz verlagert, dürfte ihn transparenter und wettbewerbsintensiver machen, zum Vorteil der Familien.



